Internationaler Freimaurerorden für alle Menschen Österreich

LE DROIT HUMAIN

DAS MENSCHENRECHT

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Galerie der Erinnerung

Grete Grau

Grete Grau

Grete Fischer wurde am 3. April 1904 in Wien als Grete Grau in eine jüdische Familie geboren. Ihr Vater Friedel Juda Grau/Back, Jahrgang 1870 stammte aus dem ostgalizischen Lemberg/Lwiw, die Mutter Ente Jenny Laufer (*1877) kam aus dem südwest-ukrainischen Herza. Die Eltern stammten aus einer multiethischen Region, in der man rumänische, polnische, ukrainische aber auch armenische Bevölkerungsgruppen finden konnte. Zu dieser ethnischen Vielfalt kam das seit 1772 wirkende Beamtentum der österreichischen Habsburgermonarchie.

Die Ausbildung von Grete Grau führte über die Matura direkt an die Wiener Universität. Diese öffnete Frauen erst allmählich ihre Tore. 1897 wurden sie zum Studium an der philosophischen und 1900 an der medizinischen Fakultät zugelassen. Nach dem Ersten Weltkrieg ermöglichten im April 1919 endlich die rechts- und staatswissenschaftlichen Studien den Zutritt für ambitionierte Hörerinnen. Die Zahl der Studentinnen blieb zunächst gering, bis 1929, also in den ersten zehn Jahren, promovierten nur 76 Frauen. 1928 war Marianne Beth als erste Anwältin in die Rechtsanwaltsliste der Kammer Wien eingetragen worden. Im gleichen Jahr promovierte Grete Grau zum Doktor der Rechtswissenschaft. Sie war somit eine der Pionierinnen der Juristerei, die 1936 offiziell als Anwältin anerkannt wurde. Ihre Kanzlei befand sich in der Margarethenstraße 82, in 1050 Wien, wo sie auch wohnte. Die Israelitische Kultusgemeinde verließ sie bereits als junge Frau im Dezember 1921, 1930 änderte sie auch ihren Namen von Back zu Grau. Die Namensumbenennung und ihr Religionsaustritt weisen sie als assimilationsfreudige Wienerin aus.

1937 trat sie in die gemischte Loge Vertrauen des Le Droit Humain ein. Doch die Historie ließ Grete Grau weder Zeit für geruhsame Erkenntnisse in der Loge noch für eine Karriere als Anwältin, die ihre bis dahin so erfolgsversprechende Laufbahn gekrönt hätte. Österreich stand unter dem Diktat des Austrofaschismus, dem durch den Einmarsch Hitlers jenes des Nationalsozialismus folgte. Unverzüglich begannen Schikanen gegen die jüdische Bevölkerung. Auch Grete Grau wurde nun per 28. Mai 1938 die Vertretung von Mandaten verboten, mit Ablauf des Jahres 1938 löschte man sie aufgrund der Bestimmungen des Reichsbürgergesetzes aus der Anwaltsliste. Bereits im Juni 1938 verkündete der Völkische Beobachter stolz die Streichung von 726 jüdischen Rechtsbeiständen. Grete Graus Name befand sich unter den in der Zeitung minutiös nach Alphabet aufgelisteten Personen. Mit diesem Schritt wurden der Entrechtung und Enteignung jüdischer Personen weitere Weichen gestellt. Eine radikale Umverteilung ihrer Vermögen zu Gunsten nationalsozialistischer Gesinnungstäter und der expandierenden Kriegswirtschaft legte unter anderem den Grundstein für das tödliche NS-Terrorregime. Bereits 1938 verlor Grete Grau durch Enteignung die unter ihrem Namen gemeldete Firma kunstgewerblicher Erzeugnisse. Wie viele entzog das NS-Regime Grete Grau die Existenzgrundlage und dem Land Österreich nicht nur eine engagierte Frau, sondern auch eine unwiederbringliche Kompetenz.

Im Juli 1938 traf Grau eine persönliche Entscheidung, sie heiratete ihren jüdischen Berufskollegen Dr. Hans Fischer (*12. November 1893). Auch er war seit 1936 Mitglied der rein männlichen Kette der Freimaurer, (Loge Humanitas). Freimaurerei und jüdische Herkunft bedeuteten durch die herrschenden nationalsozialistischen Gegebenheiten für das Paar nun höchste Lebensgefahr. Sie flohen am 23. Jänner 1939 über London in die USA. Ab Oktober 1943 lebte sie als Geraldine Fischer und er als John Fischer an der Westküste in Los Angeles. In den 1960er Jahren war Geraldine Fischer nach eigenen Angaben als Angestellte tätig, ihr Ehemann John als public accountant, also als Wirtschaftsprüfer.

Wäre ihre Berufswahl in Österreich durchaus für eine erfolgsversprechende Laufbahn geschaffen gewesen, so konnte sie das Jusstudium im Ausland kaum verwerten. Es gelang ihr ebenso wie anderen aus Österreich geflüchteten Rechtsanwält*innen in der Emigration nicht mehr, eine ihrer Ausbildung adäquate Tätigkeit zu finden. Der Nationalsozialismus hatte die Karriere einer weiblichen Pionierin vollkommen zerstört. Amerika konnte das Paar nicht halten, ab 1969 lebten sie wieder in Wien. Grete Fischer verstarb hier nur vier Jahre später am 15. August 1973 mit 68 Jahren. Ihr Ehemann verstarb neun Jahre später, am 10. September 1982. Er war 88 Jahre alt geworden. Beide fanden ihre letzte Ruhestätte im Urnenfeld des Wiener Zentralfriedhofs.



Quelle: Archiv und Forschung des LE DROIT HUMAIN Österreich

Link: Grete Grau auf der Plattform WIEN GESCHICHTE WIKI

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